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Männer und Hormonmangel
Herbert Grönemeyer besang in seinem Lied "Männer" noch das starke Geschlecht. Doch die Forschung ist sich seit langem einig: Gesundheitspolitisch sind Männer das "schwache Geschlecht": Sie sind häufiger krank, gehen seltener zum Arzt und sie sterben durchschnittlich sieben Jahre früher als Frauen.
Und: Auch vor Männern macht Osteoporose kein Halt. Es trifft sie zwar zehn Jahre später, dann aber um so heftiger: Jeder dritte Mann mit einer aus ihr resultierenden Fraktur muss im Rollstuhl bleiben. Von Wechseljahren spricht an beim Mann zwar nicht, ähnliche Anzeichen wie bei älter werdenden Frauen suchen aber auch ihn heim. Gelenk- und Muskelschmerzen, Schlafstörungen, depressive Stimmungen und Sexualprobleme durch Androgenmangel. Um letzeren entgegenzuwirken, hofft Mann jetzt, den sinkenden Hormonspiegel durch eine Ersatztherapie wieder in die "Höhe" treiben zu können. Analog zu Frauen in den Wechseljahren.
Das Problem: Wann genau ein teilweiser Androgenmangel besteht, ist medizinisch
noch nicht definiert. Auch darüber, wie der Ersatz verabreicht werden
soll, konnte man sich während des 2. Weltkongresses "The Aging
Male" in Genf nicht einigen: oral, gespritzt, als Pflaster - oder vielleicht
als Creme? Ferner ist zu klären, welche Mengen wo ankommen sollen, ohne
dass andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden.
Gegen die Gabe von Testosteron spricht auf alle Fälle Prostatakrebs, vermeiden sollte man sie ebenfalls, wenn diese Form des Krebses in der Familie vorlag, bei teilweisem Atemstillstand im Schlaf, einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung oder bei krankhafter Vermehrung der roten Blutkörperchen.
Doch nicht nur Risiken, auch Erfolge sind bei der Ersatztherapie offensichtlich. US-Studien über drei Jahre bei einer Testosteron-Substitution zeigen z. B. positive Auswirkungen auf die Knochendichte. Und, das wird Mann gefallen: Der Fettanteil innerer Organe sinkt um 16 Prozent, die Muskelmasse nimmt zu. Daraus resultierende Muskelkraft kommt jedoch nicht von allein, sie muss antrainiert werden. Gute Ergebnisse wurden auch in puncto Befindlichkeit und kognitiven Funktionen beobachtet, individuell jedoch sehr unterschiedlich.
Auch erste europäische Untersuchungen zur Wirkung von Testosteron auf die Herzkranzgefäße gaben Anlass zur Hoffnung: Es könnte sein, dass Androgene den Gefäßen des Mannes akuten Schutz bieten. Bei vergleichenden Belastungstests in Italien war die Leistung der Probanden mit Herzkrankheit bei Verabreichung von Testosteron deutlich besser als bei der von Placebos. Und in England wurden bei Männern unter Testosteron-Einfluss erweiterte Herzkranzgefäße sowie ein besserer Blutfluss festgestellt. Hier sind jedoch weitere Tests erforderlich, da bislang zu wenig Probanden überprüft wurden.
Diese Ergebnisse werden dann wohl auch Männer aufhorchen lassen, die
für Vorbeugemaßnahmen kaum zu haben sind. Zumal dann, wenn ihnen
bekannt wird, dass Männer mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht,
Diabetes oder Stoffwechselerkrankungen mit einem erhöhten Risiko an
Erektionsstörungen einhergehen. Anlass genug, das Bewusstsein der Männer
zu schärfen, Symptome nicht nur dem Alter zuzuschreiben, sondern gezielt
vorzubeugen und rechtzeitig therapieren zu lassen. Hier steht ihm der Urologe,
der den Mann in seiner Ganzheit betrachtet, mit der entsprechenden Aufklärung
und Diagnostik zur Seite.

Eins
aber ist klar: Einen medikamentösen Jungbrunnen wird es nicht
geben. Der Zahn der Zeit, der am Manne nagt, lässt sich nur seriös
und vorbeugend aufhalten. Viel Bewegung und gesunde Ernährung stehen
für körperliches und geistiges Wohlbefinden, kommen der Figur und
der Gesundheit zugute. Sollten sich dennoch ernsthafte Beschwerden einstellen,
wirken gezielte Behandlungsmethoden einem sinkenden Hormonspiegel entgegen.
Dann kann Mann sich weiter auf ein gesundes Sexualleben freuen, und sollte es auch ausleben. Denn eine Studie belegt: Bei Männern, die im mittleren Alter sexuell inaktiv sind, steigt die Sterblichkeitsrate um 50 Prozent an. Also: Männer, steht euren Mann!
Quelle: http://www.urologenportal.de/hormonmangel.html (Stand: Mai 2007)


